{"id":3194,"date":"2024-02-26T14:16:03","date_gmt":"2024-02-26T13:16:03","guid":{"rendered":"https:\/\/formative-works.ch\/?post_type=projekt&#038;p=3194"},"modified":"2024-02-26T14:16:04","modified_gmt":"2024-02-26T13:16:04","slug":"vermittlungspersonen-und-deren-einschaetzung-zur-inanspruchnahme-von-unterstuetzungsangeboten-fuer-angehoerige-von-menschen-mit-demenz","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/formative-works.ch\/?projekt=vermittlungspersonen-und-deren-einschaetzung-zur-inanspruchnahme-von-unterstuetzungsangeboten-fuer-angehoerige-von-menschen-mit-demenz","title":{"rendered":"Vermittlungspersonen und deren Einsch\u00e4tzung zur Inanspruchnahme von Unterst\u00fctzungsangeboten f\u00fcr Angeh\u00f6rige von Menschen mit Demenz"},"content":{"rendered":"\n<p>Angeh\u00f6rige von Menschen mit Demenz nehmen Unterst\u00fctzungsangebote wenig bzw. erst sp\u00e4t in Anspruch. Es gibt Hinweise darauf, dass die Inanspruchnahme insbesondere vom Einfluss einer Vermittlungsperson abh\u00e4ngt. Das kann eine Haus\u00e4rztin sein, eine Mitarbeiterin der Spitex oder eines privaten Vereins, ein Sozialdienst oder auch eine pers\u00f6nliche Bekanntschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Datenerhebung bestand aus einer strukturierten Befragung von 51 Fachpersonen und 11 Angeh\u00f6rigen zur Rolle dieser Vermittlungspersonen, deren Bereitschaft, als Vermittler zu wirken und ihren Einsch\u00e4tzungen in Bezug auf die Zweckm\u00e4ssigkeit und den Nutzen der Inanspruchnahme von Unterst\u00fctzungsangeboten. Dabei wurde auf die Diversit\u00e4t von Berufsgruppen, Arbeitsfeldern, Regionen und Siedlungsr\u00e4umen geachtet, um ein breites Spektrum von relevanten Subgruppen mit je unterschiedlichen Erfahrungen, M\u00f6glichkeiten und Sichtweisen zu befragen. In zwei Workshops wurden konkrete Hilfestellungen f\u00fcr die Praxis diskutiert, um den Zugang zu Unterst\u00fctzungsangeboten f\u00fcr Angeh\u00f6rige zu verbessern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Resultate<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Hypothese, dass das Akzeptieren von Unterst\u00fctzung h\u00e4ufig mit einer vertrauensw\u00fcrdigen Person in Verbindung gebracht wird, wurde deutlich best\u00e4tigt. Angebote werden in Anspruch genommen, weil eine Schl\u00fcsselperson, der man vertraut und emotional nahesteht, einen entscheidenden Impuls gegeben hat. Dieses \u201eAnstupsen\u201c ist in der Literatur als Nudging bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Scham bei Betroffenen bestehen H\u00fcrden bei den Angeboten: ungen\u00fcgende \u00dcbereinstimmung von Bedarf und Angebot, fragmentierte Zust\u00e4ndigkeiten und eng begrenzter Leistungsumfang, geringe Flexibilit\u00e4t, Wartezeiten, Personalwechsel, fehlende Kontinuit\u00e4t in der Begleitung von Angeh\u00f6rigen, Betreuung wird durch die Kassen nicht verg\u00fctet, aber auch fehlende Betten f\u00fcr Notfall-Unterbringungen oder Menschen mit frontotemporaler Demenz.&nbsp; Im Vergleich zu anderen h\u00e4ufigen Krankheiten wie z.B. Krebs oder Diabetes sind die Prozesse wenig strukturiert. Bei Demenzerkrankungen ist augenf\u00e4llig, dass es kein Standard-Prozedere f\u00fcr die Fr\u00fcherkennung, Beratung, Versorgung, Begleitung und Nachsorge gibt. Angesichts der starken Zunahme an Neuerkrankungen werfen die grossen regionalen Unterschiede bei den Strukturen und Abl\u00e4ufen grunds\u00e4tzliche Fragen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antworten ergeben das Bild eines komplexen Netzwerkes, in dem vieles zuf\u00e4llig gemacht oder nicht gemacht wird. Es gibt zwar Verbindungen zwischen den Akteuren, aber augenf\u00e4llig sind die vielen Bruchstellen zwischen der Medizin und dem Sozialsystem. Viel zu viele Betroffene werden deshalb nie abgekl\u00e4rt, erhalten nie eine Diagnose, werden nie aufgekl\u00e4rt und niemand weist ihnen den Weg zu den Demenznetzwerken. H\u00e4ufig wurde diese Passivit\u00e4t an den kritischen Schnittstellen mit Daten- und Patientenschutz begr\u00fcndet. Aber: Wegen des hohen Leidensdrucks und der abnehmenden Urteilsf\u00e4higkeit nehmen Betroffene externe Unterst\u00fctzung i.d.R. gerne an &#8211; das Einverst\u00e4ndnis zur Datenweitergabe ist daher meist nur eine Formsache.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>Schlussfolgerungen &amp; Empfehlungen<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Erfolgsfaktoren einer erfolgreichen Vermittlungst\u00e4tigkeit sind: Zeit haben, Zeit lassen, keinen Druck aus\u00fcben, wiederkehrend auf die Menschen mit Demenz und die Angeh\u00f6rigen zugehen, Kontinuit\u00e4t in der Beratung und Begleitung sicherstellen, Hausbesuche machen, koproduktiv auf die individuelle Situation eingehen und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das subjektive Erleben und die oftmals kreativen L\u00f6sungen haben, mit den regionalen Angeboten gut vernetzt sein, die Akteure pers\u00f6nlich kennen und akzeptiert sein, wobei Lokalkolorit (Dialekt, Familienname, Vereinsengagement) die Wirksamkeit erh\u00f6ht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Haus\u00e4rzte sind als Gatekeeper an zwei Schl\u00fcsselstellen gefordert:<br>&#8211; Aufgrund der langfristigen Beobachtung k\u00f6nnen sie kognitive Ver\u00e4nderungen bei ihren Patient:innen fr\u00fchzeitig erkennen. Neben einem MMS-Test sind sie es, die eine \u00dcberweisungen an Memory Clinics zur Abkl\u00e4rung der kognitiven F\u00e4higkeiten und Defizite in die Wege leiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Weil Abkl\u00e4rung und Diagnose nicht Endstationen sein d\u00fcrfen, k\u00f6nnen Haus\u00e4rzt:innen als vertrauensvolle Vermittlungspersonen Betroffene und Angeh\u00f6rige an Beratungsstellen weiterleiten und dadurch ein wirksames Entlastungsnetz anbahnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bezug nehmend auf die fehlende Koh\u00e4renz und die Br\u00fcche ist die Festigung einer systematischen, institutionalisierten Zusammenarbeit zwischen Memory Clinics und Beratungsstellen und ggf. Hausarztpraxen ein Schl\u00fcsselelement: notwendig ist ein Prozess, der neben der Weitergabe der Kontaktdaten (mit Einverst\u00e4ndnis der Betroffenen) die pro-aktive Kontaktaufnahme durch die Beratungsstellen oder Sozialdienste in den Gemeinden erm\u00f6glicht.<br>Wenn zudem viele Betroffene l\u00e4nger im eigenen Zuhause leben sollen ohne \u00dcberbelastung der Angeh\u00f6rigen braucht es Kontaktformate und \u00abMarktpl\u00e4tze\u00bb, die neben Fachleuten auch informelle Vermittlungspersonen und Betroffene einbeziehen. Diese Entwicklung hin zu einer demenzfesten Gesellschaft ist allerdings nur m\u00f6glich, wenn auch f\u00fcr Beratung und Begleitung eine angemessene Finanzierung sichergestellt ist.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":3196,"template":"","categories":[10,35],"tags":[459,246,364,461,9],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/projekt\/3194"}],"collection":[{"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/projekt"}],"about":[{"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/projekt"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/projekt\/3194\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3388,"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/projekt\/3194\/revisions\/3388"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/formative-works.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}